Predigt beim Requiem-Gottesdienst für Pater Agustine Prabhakar (Anikkatu)


Algasing, Samstag, 13. September 2025

Lieber Frater Rudolf Knopp von der Bayerischen Ordensprovinz der Barmherzigen Brüder,

lieber Pater Thomas Väth, Hauptzelebrant,

liebe Mitbrüder der Indische Missionsgesellschaft – in Indien, in Deutschland und in aller Welt,

liebe Mitbrüder im priesterlichen und pastoralen Dienst,

liebe Pfarrangehörige, Freunde, Bekannte und Weggefährten,

liebe Heimbewohnerinnen und Heimbewohner,

liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieses Hauses,

liebe Angehörige und Freunde von Pater Agustine – besonders in Indien, Malta, Australien, Irland und der Schweiz, die uns heute über den Livestream im Gebet verbunden sind:

Wir sind heute hier versammelt, um Abschied zu nehmen von einem Menschen, der uns tief berührt hat – durch seine Güte, seine Treue und seine stille Hingabe. Pater Agustine Prabhakar, Priester der Indische Missionsgesellschaft (IMS) und seit 24 Jahren segensreich tätig im Orden der Barmherzigen Brüder hier in Deutschland.

Am 4. September hat Gott ihn – für uns alle plötzlich und unfassbar – zu sich gerufen. Es war kein lauter, kein dramatischer Abschied. Vielmehr, so dürfen wir glauben, ist er heimgegangen – wie ein treuer Diener, in die liebenden Arme dessen, dem er sein ganzes Leben geweiht hat.

In dieser schweren Stunde geben wir nicht nur der Trauer Raum, sondern auch dem Dank: Dank für das Leben, das Pater Agustine mit uns geteilt hat. Für seine Liebe, seine Bescheidenheit, seine Geduld, seine Hoffnung und für sein Dasein.

Pater Agustine hat seinen Lebensweg mit Würde, mit Tapferkeit und mit einem tiefen Vertrauen in Gott beschritten. Jetzt glauben wir, wie es in der Lesung hieß, dass er die „Krone der Gerechtigkeit“ empfangen hat – den Frieden und die Geborgenheit, die Gott denen verheißt, die ihm treu geblieben sind.

Und nun, liebe trauernde Angehörige, liebe Mitbrüder, liebe Freunde, Lasst uns gemeinsam auf die Stationen dieses besonderen Lebensweges schauen – ein Weg, der viele Spuren hinterlassen hat: Spuren des Glaubens, der Liebe und des hingebungsvollen Dienstes.

Pater Agustine wurde am 16. Juli 1954 in Pulingom, Kerala geboren – als Sohn von Augustin und Annamma. Er wuchs mit vier Brüdern auf: Manuel, Jose, Thomas und Savio. Sein Vater war Mesner in der Heimatkirche – ein einfacher, aber tiefgläubiger Mann, der am Altar vielen Priestern diente. Diese enge Verbindung zur Kirche prägte die Familie. Drei seiner Söhne – Jose, Thomas und Agustine – folgten der Berufung zum Priestertum. Vielleicht war es auch der fromme Wunsch des Vaters, eines Tages seine Söhne in persona Christi am Altar stehen zu sehen.

Nach seinem Schulabschluss trat Agustine im Jahr 1972 in das Priesterseminar ein, um Missionar der Indische Missionsgesellschaft (IMS) zu werden. 13 Jahre der Ausbildung, inklusive Philosophie und Theologie in Nordindien, folgten.

Am 16. Mai 1984 wurde er zum Priester geweiht. Sein erster Dienst führte ihn nach Warangal in Andhra Pradesh, wo er zunächst die Sprache Telugu erlernen musste – eine Herausforderung, die er mit Geduld und Hingabe annahm.

Später wurde er Kassier des IMS-Philosophie-zentrums in Christnagar (Varanasi). Mit Sorgfalt und Herzlichkeit sorgte er dort für die Ausbildung und Versorgung der Seminaristen.

Für ihn war aber immer klar: Mission bedeutet nicht nur Essen und Organisation, sondern Hilfe zur Lebensveränderung – besonders für die Armen und Benachteiligten.

In Thorrur, ebenfalls in Andhra Pradesh, gründete er später eine neue Missionsstation – als Pionier, der sich mutig für eine bessere Lebensgrundlage der Menschen einsetzte. Sein Organisations-talent erkannte der Orden auch im Zentrum für Kommunikation in Varanasi: Dort bildete er Seminaristen im Straßentheater aus, um in ländlichen Regionen soziale und christliche Themen anschaulich und lebensnah zu vermitteln – wie Mitgift, Korruption, Kinderehe, Gewalt und vieles mehr. Ein mutiges, kreatives und wirkungsvolles Projekt.

Nach 17 Jahren in Indien kam er im Januar 2001 nach Deutschland – als Botschafter des Glaubens, besonders für Kranke und alte Menschen. In München und Regensburg war er als Krankenhausseelsorger bei den Barmherzigen Brüdern geschätzt und beliebt – still, aber präsent; unauffällig, aber tief verbunden.

Seit 2007 lebte und wirkte er hier in Algasing .  In der Hausgemeinschaft von Algasing war er ein stiller Fels – er feierte regelmäßig Gottesdienste, spendete die Sakramente, und war vielen ein geduldiger Gesprächspartner in Fragen des Glaubens und des Lebens.

Er war ein Mensch, der lebte nach dem Prinzip: „Je stiller du bist, desto besser kannst du hören.“ Er hörte – mit den Ohren und mit dem Herzen. Er begegnete Menschen nicht mit Urteilen, sondern mit Wärme, Geduld und Demut.

Die Indische Missionsgesellschaft dankt den Barmherzigen Brüdern und allen Mitarbeitenden für ihre Liebe, ihre geistliche und materielle Unterstützung und ihr Verständnis, die es Pater Agustine ermöglichten, hier in Deutschland zu leben, zu wirken und sich wohlzufühlen – bis zu seinem plötzlichen Heimgang am 4. September 2025 in München.

Liebe trauergemeinde,

 „Ich habe den guten Kampf gekämpft, den Lauf vollendet, die Treue gehalten.“ (2 Tim 4,7)

Diese Worte des Paulus scheinen wie ein Vermächtnis aus dem Herzen Pater Agustines. Auch er hat seinen Lauf vollendet – nicht mit lauten Schritten, sondern in der Treue zu seinem Herrn. Er hat viele Kämpfe gekämpft – nicht mit Waffen, sondern mit Liebe, Geduld und Hingabe. Als Pater Augustine vor 24 Jahren nach Deutschland kam, konnte er wohl nicht ahnen, dass sein Weg ihn so dauerhaft und weit weg von seiner Heimat führen würde – fort von seiner Familie, seiner vertrauten Kultur, seiner ursprünglichen Glaubensgemeinschaft.

Und doch hat er hier eine neue geistliche Heimat gefunden: bei den Barmherzigen Brüdern, in diesem Haus, unter den Menschen und in den Gemeinden, denen er diente.

„Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan.“ (Mt 25,40)

Wie oft hat Pater Agustine diesen Dienst an den Geringsten gelebt? Wie oft hat er sich Kranken, Einsamen, Bedürftigen zugewandt – nicht aus Pflicht, sondern aus Liebe?

Er war kein lauter Mensch – aber seine Stille war voller Gegenwart. Seine Worte waren überlegt, sein Lächeln echt, seine Hände bereit zum Dienen. In ihm konnten Menschen die Güte Gottes spüren.

Liebe Angehörige in Indien, liebe Brüder, Nichten, Neffen, Freunde von Pater Agustine – wir hier in Algasing, Dorfen und ganz Deutschland trauern mit euch. Ihr habt einen Bruder, Onkel, Freund verloren – und auch wir haben einen Mitbruder und geistlichen Weggefährten verloren, der uns ans Herz gewachsen war. Doch wir glauben: Er ist nicht verloren. Er ist heimgegangen – heim zu Gott.

In der kommenden Woche wird sein Leib nach Varanasi überführt – in das Mutterhaus seines Ordens, wo er seine letzte Ruhestätte finden wird. Ein Weg zurück zu den Wurzeln – und voran in die Ewigkeit.

Heute sind wir über Kontinente hinweg verbunden: Deutschland, Indien, Malta, Australien, Irland, Schweiz, Kanada, Amerika – alle, die mit Pater Agustine verbunden waren, sind heute geistlich eins. Der Tod trennt uns äußerlich – doch im Glauben sind wir vereint: Im Gebet, in der Erinnerung, in der Eucharistie – bis wir uns wiedersehen im Licht Gottes.

Lieber Pater Agustine ,

dein Leben war ein stiller Dienst.

Ein Leuchten im Verborgenen.

Eine Wärme, die viele gespürt haben.

Du bist den Weg Christi gegangen – nicht laut, aber treu.

Nicht groß im Reden, aber groß im Hören.

Nicht sichtbar im Mittelpunkt, aber tief im Herzen Gottes und der Menschen.

Wir danken dir  aus ganzem Herzen.

Wir lassen dich los – in der Hoffnung, dass du nun angekommen bist,

bei dem, dem du dein Leben geschenkt hast.

Und wir glauben: „Der Herr, dem du gedient hast, wird dir nun selbst dienen – mit seiner ewigen Liebe.“ „Komm, du guter und treuer Diener. Tritt ein in die Freude deines Herrn.“ (Mt 25,21)  Eine gute Reise Lieber Pater Augustine.   (Amen.)

– P. Banda Baltharaju IMS